Hast du schon einmal etwas gepflanzt? Einen Baum? Blumen? Gemüse? Ist es nicht ein herrlicher Anblick, wie etwas wächst und gedeiht? Und irgendwann erscheinen wunderbare Blüten oder du kannst die ersten Früchte ernten. Bis es so weit ist, musst du deinen Setzling gegen Wind und Wetter schützen, ihn mit ausreichend Wasser versorgen und Schädlinge von ihm fern halten. Was im Garten gilt, gilt auch beim Entwickeln von Produkten. Wer seine Gedanken, Ansichten und Bedenken bei der Entwicklung eines Produkts einbringen kann, beschützt dieses gegen Personen, welche es torpedieren.

Wenn Benutzer ihre eigenen Gedanken und Inputs in einer Applikation wieder erkennen, kann ich immer wieder ein analoges Verhalten beobachten. Die Personen schützen und kümmern sich um den gemeinsam erarbeiteten Schützling - in diesem Fall das Produkt. Wir müssen alle betroffenen Personen ernst nehmen, verstehen wie sie arbeiten, mit was sie tagtäglich zu kämpfen haben oder was sie einfach nur nervt. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass solche User oft von der ersten Stunde an so genannte “Promoters” sind, welche eine Anwendung verteidigen und positiv darüber berichten. Warum? Sie können aktiv Einfluss nehmen, werden ernst genommen und sie wissen, wir wollen ihnen helfen.

Der Mensch ist per se kein Freund von Veränderung und etwas Neues wird immer auf Skepsis oder Ablehnung stossen. Solche “Promoters” helfen, eine neue Anwendung schneller zu etablieren und den positiven Groove gegenüber “dem Neuen” zu verbreiten.

Natürlich kann ich bei einer Anwendung mit 300 Benutzern nicht jeden einzeln in der Kontextanalyse miteinbeziehen. Oft reicht es jedoch, wenn zukünftige Benutzer wissen, dass Kollegen einbezogen wurden, welchen sie vertrauen.

In meiner Rolle als User Centred Design Enthusiast wünsche ich mir nichts mehr, als dass die Benutzer sich mit einer Applikation identifizieren, diese vertreten und sie auch als ihr eigenes Pflänzchen behandeln. Deshalb liebe ich die frühe Phase eines Projektes, in welcher ich Personen interviewen und verstehen darf und ich erfahre, wie sie arbeiten und mit was sie tagtäglich zu kämpfen haben. Ich habe bis jetzt noch aus jedem Interview wichtige Erkenntnisse und Einblicke mitgenommen, welche später in irgendeiner Weise ins Projekt eingeflossen sind. Oft kommen sogar die besten Ideen für die Umsetzung direkt von Benutzern.

Also bitte: “Vertraut den Benutzern und lasst uns Produkte gemeinsam Erschaffen!”

PS: Was anderen beim Duschen einfällt, passiert bei mir im Garten. So kam mir auch die Idee zu dem Vergleich zwischen der benutzerzentrierten Entwicklung eines Produkts und dem Aufziehen einer Pflanze im Garten.

Andy im Garten

Andy, 08.06.2020